Das Ballett
entstand in Frankreich zur Zeit Ludwigs des XIV. ( um 1700) und hat
sich aus dem Gesellschaftstanz am Hofe des Königs entwickelt. Ursprünglich
waren es keine Berufstänzer, sondern Hofdamen und Hofherrn, die
tanzten – oft auch der König selbst. Seinen Beinamen „Sonnenkönig“
erhielt er, weil er einmal in einem Ballett die Sonne tanzte.
Als in der Folge die Schritte immer komplizierter und schwerer wurden,
begann sich der Berufsstand des Tänzers zu entwickeln – es
tanzten damals, wie im griechischen Theater, nur Männer auf der
Bühne.
Weil das Ballett aus Frankreich kommt ( und sich von dort nach Russland,
Dänemark, England, ganz Europa, Amerika und auch China, Japan,
Südamerika und Australien ausbreitete), ist die Fachsprache Französisch.
Hier einige Ausdrücke:
Plié: Kniebeuge
Battement: Werfen des Beines
Ronde de jambe: Kreis des Beines am Boden oder
in der Luft
Port de bras: Armbewegungen
Relevé: Sich auf Spitze oder Halbspitze
erheben
Jeté: Springen von einem Bein auf das andere
Pas de deux: Tanz zu zweit
Pas: Schritt
Jede Ballettstunde
beginnt auf der ganzen Welt mit dem Exercice – dem Training an
der Stange, und es beginnt immer mit kleinen und großen Pliés,
dann folgen Battements, Ronde de jambes u. s. w. Die Stunde, die übrigens
generell 90 Minuten dauert, endet mit großen Battements, bei denen
das Bein möglichst hoch geworfen werden soll.
Es gibt fünf Grundhaltungen der Füße, die fünf
Positionen, bei denen die Beine von der Hüfte aus auswärts
gedreht sind, im Idealfall um 90°. Alle Bewegungen und Schritte
werden mit auswärts (en dehors) gedrehten Beinen ausgeführt.
Befindet sich ein Bein in der Luft, sind Rist und Zehenspitzen immer
gestreckt.
Es gibt sehr viele Gebote und Verbote, was ein Tänzer in Bezug
auf Körperhaltung und Bewegung muss und nicht darf, so dass es
Jahre dauert, bis eine Tänzerausbildung beendet ist – das
heißt, wirklich perfekt ist er nie, und er muss auch als fertiger
Tänzer (Berufstänzer) täglich üben und an der Trainingsstunde
teilnehmen, wenn er in einem Theater engagiert ist.
Mit der Ausbildung wird möglichst früh begonnen, weil der
Körper da noch dehnbar und formbar ist, allerdings sollte die geistige
Entwicklung eines Kindes so weit sein, dass es links und rechts unterscheiden
kann und die Anweisungen des Lehrers versteht – das heißt
also im Normalfall im Volksschulalter. Natürlich ist es auch möglich,
später zu beginnen, vor allem, wenn man nicht unbedingt Berufstänzer
werden will. Rudolf Nurejew, der wahrscheinlich berühmteste Tänzer
des 20. Jahrhunderts, begann erst mit 17 Jahren zu tanzen.
Wichtig ist vor allem, dass ein Kind selbst will und auch Ausdauer genug
besitzt, den langen Weg durchzuhalten. Kinder, die zwar nicht besonders
begabt sind, aber Freude an der Bewegung haben, profitieren auf jeden
Fall auch von den Ballettstunden: Sie lernen, sich zur Musik graziös
zu bewegen, ihre Haltung zu verbessern, diszipliniert zu üben,
sie bekommen Einblick in eine zwar elitäre, aber wunderschöne
Kunstform, und sie werden auch später einmal ein verständiges
Publikum bei Tanzaufführungen sein.
Jedes Mädchen wünscht sich, möglichst bald auf Spitze
zu tanzen, aber vor dem Alter von 8 Jahren ist es für die Füße
nicht gut und auch dann muss der Fuß kräftig genug sein,
um auf Spitze zu stehen, und die Ausbildung muss einen bestimmten Grad
erreicht haben. Die heutigen Spitzenschuhe sind so gebaut, dass sie
dem Fuß Halt geben, aber es gibt sie erst seit der Biedermeierzeit.
Die erste Tänzerin, die auf Spitze tanzte, war Marie Taglioni –
allerdings noch in den weichen Schuhen wie unsere Sprungschuhe.
Zum Schluss noch ein Wort zu männlichen Tänzern: Leider ist
das Image des Tänzers in Österreich sehr schlecht, und Buben,
die tanzen lernen, werden manchmal verspottet und als unmännlich
hingestellt. Das schreckt leider fast alle Buben ab, und wir würden
dringend Buben - vor allem für Aufführungen – brauchen,
denn sonst müssen immer Mädchen die Männerrollen tanzen.
Dieses Problem des drastischen Männermangels beim Ballett besteht
übrigens weltweit. Dabei ist Tanz absolut nicht unmännlich,
sondern vergleichbar mit Leistungssport, was die körperliche Aktivität
betrifft. Männer müssen vor allem viel springen und heben,
was sehr viel Kraft erfordert, denn es soll ja alles ganz leicht aussehen.
Dafür brauchen Männer keine Spitzenschuhe.
Die Technik des klassischen Tanzes beruht auf einer mehr als dreihundert-jährigen
Tradition, und das Training ist so aufgebaut, dass die Muskeln langsam
aufgewärmt werden, damit eine Schädigung verhindert wird.
Dadurch ist ein Tänzer, der seinen Körper ja sein ganzes Berufsleben
braucht und daher sehr sorgsam mit ihm umgehen muss, imstande, nicht
nur kurzfristig Höchstleitungen wie ein Spitzensportler zu vollbringen,
sondern jahrelang. Und dabei kann er mit seiner exzellenten Technik
noch an Ausdruckskraft und Bühnenpräsenz reifen.